Montag, 10. Juni 2013

Neues Lenkkopflager und Gabelöl

Schon bei meiner (kurzen) Probefahrt vor dem Kauf hatte ich bemerkt, dass das Lenkkopflager der Cagiva Gran Canyon hinüber war. Beim Bremsen war ein deutliches Knacken aus der Gegend des LK-Lagers zu spüren.
Da ich keine halben Sachen machen wollte, habe ich gar nicht erst versucht das LK-Lager nachzustellen. Wer weiß schon wie lange der Vorbesitzer schon mit diesem losen LK-Lager gefahren ist!?

Zunächts mal mußte ich das passende LK-Lager organisieren. Aus dem Cagivaforum erfuhr ich, dass Cagiva bei der Granny ein zölliges Lager verbaut hat. Diese kommt im Original von der Fa. TIMKEN (L44600LA). Ich hab dann versucht diese Lager im Einzelhandel zu beschaffen. Schließlich fand ich auch einen Händler, der diese Lager an Endverbraucher verkauft. Allerdings sollte der Satz rund 100€ kosten! Puh…

Nach weiterer Recherche (googeln) erfuhr ich, dass die Cagiva Elefant und diverse Husqvarna (gehörte ja mal zum Cagiva-Konzern) ebenfalls diese Lager L44600LA verwenden.
Über ein Husqvarnaforum bin ich dann auf einen Händler gekommen, der ein passendes LK-Lager aus China anbietet (Hersteller MBA). Da im Husqvarnaforum die Qualität dieser Lager durchaus als brauchbar eingestuft wird habe ich mir einen Satz bestellt. Das komplette LK-Lager kostete mich 28,90€ incl. Versand.

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Für den Ausbau der kompletten Gabel habe ich die Granny zunächst hinten mit den Montagständer aufgebockt. Anschließend wurden sämtliche Schrauben und Muttern der Gabel und des Vorderads gelöst und die Granny mit 2 Spanngurten an der Werkstattdecke soweit hochgezogen, dass das Vorderrad frei stand.
Nun habe ich das Vorderrad, Gabel und Gabelbrücke ausgebaut. Dann die erste unangenehme Überraschung. Die Lagerschale des obereren LK-Lagers lies sich ganz locker im Lagersitz drehen und konnte von Hand herausgezogen werden!
Nachdem ich die untere Lagerschale augeschlagen hatte, dann die nächste Überraschung: Die Lagerschalen waren nicht identisch! Oben war der Hersteller TIMKEN, unten ???! Offenbar hatte sich schon mal jemand am LK-Lager versucht und unten zumindest eine neue Lagerschale eingebaut. Wer macht sowas!?
Die Lager selbst waren beide vom TIMKEN.

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Das Eintreiben der neuen Lagerschalen war sehr einfach, da die Schalen m.E. recht locker sitzen (im Verleich zu meiner Ducati SS). Die Lagerschalen sauber aufsetzten und dann mit vorsichtigen Hammerschlägen die Schalen in den Lenkkopf eintreiben. Um die Lagerschalen bis in den Lagersitz zu bekommen bietet es sich an die ausgebauten alten Lagerschalen als Eintreiber zu verwenden. Damit ist auch sichergestellt, dass man die Lauffläche der Lagerschale nicht beschädigt.
Man hört es sehr gut am Schlaggeräusch, wenn die Lagerschale richtig sitzt.

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Um das untere Lager vom Steuerrohr der Gabelbrücke zu bekommen verwende ich mitterweile folgende Vorgehensweise:
1. Mit einem Dremel den Lagerkäfig auftrennen und Lagerkäfig und -rollen entfernen
2. Mit dem Dremel in den den Lagerkranz vorsichtig einen Schlitz flexen. Dabei darauf achten weder Steuerrohr noch Gabelbrücke zu beschädigen
3. Nun mit einem scharfen Meißel und einem kräftigem Hammerschlag in den Schlitz den Lagerkranz brechen
4. Anschließen kann der Lagerkranz ganz einfach vom Steuerrohr abgenommen werden

Man kann auf dem Bild sehr gut den aufgetrennten Lagerkranz sowie die Distanzscheibe erkennen.

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Beim Aufsetzten des Lagers auf das Steuerrohr empfiehlt es sich sich wie folgt zu arbeiten.
1. untere Gabelbrücke für 2 Std. ins Tiefkühlfach (-18 °C) legen
2. Das Lager im Backofen erwärmen (200 °C). Beim L44600LA muß man dabei mit der Temperatur etwas vorsichtig sein, da bei diesem Lager ein Gummidichtring integriert ist. Ich bin daher nur auf 150 °C gegangen.
3. Jetzt muss es schnell gehen. Das Lager auf das Steuerrohr aufsetzten. Durch den Temperaturunterschied (Ausdehnung) rutscht das Lager i.d.R. ganz von allein auf den Lagersitz. GGf. mit einen kräftigen Hammerschlag
nachhelfen (dabei ausschließlich auf den Lagerkranz schlagen und keinesfalls der Lagerkäfig beschädigen!)

Nach dem abkühlen die Lager gründlich mit Lagerfett einfetten. Anschließend wird dann die Gabelbrücke wieder montiert und das LK-Lager eingestellt. Ich arbeite dabei nach Gefühl. Zunächst das Lager fest anziehen damit sich die Lager setzen können. Anschließend das LK-Lager wieder lösen und die Mutter handfest anziehen. Nun gebe ich der Mutter noch einen kleinen Tick mit einem Hammer.

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Da die Gabel ja sowieso draußen war bot sich natürlich gleich ein Wechsel des Gabelöls an. Während die Gabelbrücke im Tiefkühlfach ‘frohr’ habe ich das Öl gewechselt. War auch durchaus nötig, wie man an der Brühe erkennen kann.
Füllmenge ist übrigens 680ml pro Holm (SAE 7,5).

Nach dem Zusammenbau der Granny erfolgte die Probefahrt. Schon nach wenigen Kilomtern war wieder ein leichtes Knacken beim Bremsen da.
Also zurück in die Werkstatt und tatsächlich hatte sich das LK-Lager noch etwas gesetzt. Die Einstellschraube des LK-Lagers war lose. Also nochmals das LK-Lager nachstellen.
Nach weiteren 250 km mußte ich das LK-Lager nochmals nachstellen (wieder Knacken beim starken Bremsen). Seit diesem Nachstellen ist jetzt aber Alles in Ordnung!