Mittwoch, 17. Juli 2013

Bremsquietschen Cagiva Gran Canyon

Nach 1.000 km mit den organsischen Saito-Bremsbelägen (Louis Nr. 10044304) kann ich schon mal ein Fazit ziehen. Das nervige Bremsquietschen ist (nahezu) weg. Die ersten 700 km herrschte absolute Ruhe beim Bremsen. Auf den letzten 300 km kam es 2-3 mal vor, dass es auf dem letzten Meter vor dem Stillstand einen kleinen ‘Quietscher’ gab.
Was mir aufgefallen ist: Beim Schieben der Granny und beim Rollen in Schrittgeschwindigkeit gibt die Bremse hin und wieder ein leichtes ‘Heulen’ von sich. Hört man aber kaum, zumal wenn der Motor läuft. Außerdem ist der Bremsabrieb recht deutlich zu sehen. Die Maschine ist schön eingestaubt…

Und wie ist die Bremswirkung mit den Saito-Belägen?
Na ja, die Sinterbeläge (Lucas SV) die bei Kauf der Gran Canyon montiert waren, benötigen spürbar weniger Handkraft für die gleiche Bremswirkung (kalte Bremse). Bei den Saito’s muss man schon deutlich fester zupacken. Die reine Bremswirkung reicht aber vollkommen aus. Wobei ich den Eindruck habe, dass die Saito’s bei warmer Bremse spürbar bissiger werden.
Über das Bremsverhalten bei Nässe kann ich jetzt noch keine Aussage treffen, da ich bisher vor Regen verschont blieb.

Zwischenfazit: Mit den organischen Bremsbeläge von Saito scheint das nervige Bremsquietschen wirklich (fast) nicht mehr aufzutreten. Die Bremswirkung ist m.E. in Ordnung. Zumal es sich bei der Cagiva Gran Canyon ja nicht um einen Supersportler handelt. Also durchaus eine Empfehlung, wenn man von einer ständig quietschenden Bremse genervt ist.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Ölquelle…

Nachdem meine Gran Canyon ja reichlich in Öl gebadet hat (knapp 1l), war ich nun mit der Suche nach der Ölquelle beschäftigt. Seit dem Kauf hatte sich die Granny als absolut trocken erwiesen. Nicht der kleinste Ölfleck in der Garage.
Direkt nach der Tour hatte ich die Granny zunächst grob mit Seifenlauge gereinigt. Am nächsten Morgen ging es dann in die Werkstatt. Hier fand ich dann recht schnell die Quelle des Öl’s.

Aus dem Ablaufschlauch der Airbox hatte es reichlich ‘nachgeölt’.

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Super Konstruktion von Cagiva. Der Ablaufschlauch der Airbox ist ca. 3 cm lang und endet über dem Ventildeckel des stehenden Zylinders. Kein Wunder, dass die Granny ein Ölbad genommen hatte. Wenn hier Öl austritt verteilt der Fahrtwind die Suppe schön über den ganzen Motor und schlussendlich über das ganze Motorrad. Warum der Schlauch, nicht wie bei jedem anderen Motorrad einfach nach unten, unter das Motorrad geführt wurde, bleibt wohl ein Geheimnis des Konstrukteurs.

Um mich zukünftig vor einer Öldusche zu schützen habe ich den Ablaufschlauch der Airbox unter den Motor verlängert.

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Die nächste Frage, warum hat der Motor rund 1l Öl in die Airbox gedrückt hat. Ich hatte die Motorentlüftung in verdacht. Aber nach dem Ausbau, Zerlegen und Reinigen der Motorentlüftung konnte ich absolut keine Probleme finden.
Das Flatterventil in der Motorentlüftung arbeitet absolut einwandfrei.

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Ohne Ergebnis habe ich die Motorentlüftung daher wieder eingebaut.
Mal abwarten, ob das Problem nochmals auftritt. Beim nächsten mal bin ich zumindest vorm Ölbad geschützt!

Licht und Schatten

Viel zum fahren bin ich mit der Gran Canyon noch nicht gekommen. Zwar nutze ich die Granny um damit zur Arbeit zu fahren, allerdings führt der Weg mich dabei überwiegend durch die Stadt.
Richtig froh war ich daher, dass das Wochenende endlich mal Top Wetter versprach. Kurzfristig habe ich mich mit Carsten (Ducati 1000 Sport) verabredet um gemeinsam eine Tour zum Italienertreffen nach Oyten zu machen.
Am Samstag um 09.45 trafen wir uns in Bahrenfeld. Von dort aus ging es durch den Elbtunnel und anschließend per Landstraße zunächst nach Syke zu Bernd Lohrig. Hier hatte sich Carsten mit Peter, einem alten Freund verabredet.
Gie Granny begeisterte mich immer mehr. Ich bin schon seit Jahren nicht mehr dermaßen entspannt mit dem Motorrad unterwegs gewesen. Das Fahrwerk ist handlich und die Bremsen und Motorleistung sind für zügiges Landstraßenräubern völlig ausreichend. Dazu kommt die völlig entspannte Sitzposition.
Nach rund 150 Km trafen wir bei Bernd Lohrig in Syke ein. Meinetwegen hätten wir locker nochmals die gleiche Strecke am Stück fahren können!
Bei diesem Traumwetter hatten sich dutzende Ducati/Triumph-Fahrer ebenfalls auf den Weg gemacht um Benzin zu quatschen. Bei einem Kaffee warteten wir auf Peter, der dann auch pünktlich mit seiner Ducati 996R bei uns eintraf.
Nach der Begrüßung und etwas fachsimpeln über meinen heimlichen Traum (Ducati 888SP4) machten wir uns dann als Trio auf den Weg nach Oyten.

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In Oyten waren dann schon diverse Schätzchen vor Ort. Man traf auch den einen oder anderen Bekannten mal wieder. Das eiskalte ‘Bleifreie’ schmeckt dann natürlich nochmal so gut.
Gegen 16 Uhr wollten Carsten und ich zurück nach Hamburg, da Carsten seiner Frau versprochen hatte gegen 17.30 Uhr zu Hause zu sein. Wir entschieden uns daher den schnellen Weg per Autobahn zu nehmen. Direkt vor der Autobahn wurden die Divas nichmals betankt. Dabei kam ich auf einen Durchschnittsverbrauch von 6l. Nicht schlecht für die zügige Fahrweise. Auf dem Weg zur Arbeit brauche ich immer so 7,2l.
Auf der Autobahn übernahm ich die Führung. Die Autobahn war frei und das Tempo lag so 160/170 lt. Tacho bei 7.000 U/min. Carsten und ich trennten und dann bei Buchholz, da Carsten auf die A7 ich jedoch über die Elbbrücken nach Hamburg fuhr.
Ich war gerade über die Elbrücken rüber als ich bemerkte, dass meine Füße nur noch schlecht halt auf den Rasten fanden. Ein kurzer Blick nach unten, und ich mußte festellen, dass er gesamte Motor völlig verölt war. Ich fuhr natürlich sofort rechts ran.
Die Granny war ab dem Motor völlig eingeölt. Das gesamte Hinterrad schwamm im Öl. Die nächste echte Kurve wäre mir wohl zum Verhängnis geworden…
500 m weiter lag eine Tankstelle. Ich hab den Motor wieder gestartet (Öldruck war da!) und bin dann auf den Radweg zu Tanke ‘gehumpelt’.

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Auf einer Tankstelle fragte ich dann zwecks Reinigungsmöglichkeit (Eimer/Schwamm) nach. Leider konnte mir die platinblonde Kassiererin nix anbieten, da am Wochenende die Werkstatt ja geschlossen sei! Ich habe dann den Ölstand geprüft. Im Ölschahuglas war kein Öl mehr zu sehen… Aber auch mit einem Trichter zum Ölnachfüllen wars auf der Tanke nix…
Ich habe dann versucht das Öl mit etwas Wasser aus dem Scheibeneiner ‘abzuwaschen’. Ziemlich zwecklos…

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Zum Glück ist ja Louis glich um die Ecke. Also schön vorsichtig rüber zu Louis. Hier hab ich dann erstmal 1L Öl und eine Dose Bremsenreiniger gekauft.
Mit dem Bremsenreiniger wurde das Hinterrad/Bremse gereinigt. Anschließend habeich erstmal gut 0,5 L Öl in die Granny gekippt. Dann ging es vorsichtig in die Werkstatt. Erstmal die Ölquelle trocken legen.

War so eine geile Tour.
Das Grinsen im Gesicht unterm Helm wurde immer bereiter.
Und dann DAS!!!

Freitag, 5. Juli 2013

Das Ende vom Quietschen!?

Die Granny begleitet mich ja viel auf meinem Weg zur Arbeit. Leider gibt es ein Ding das mich richtig annervt: Die vorderen Bremsen! Genauer das Geräusch, dass mich bei allen Geschwindigkeiten unterhalb 40 km/h beim berühren des Bremshebels bis zum Stillstand begleitet. Die Bremse quietscht! Und wie! Eine alte russische Taigatrommel macht auch nicht mehr Lärm.
Echt ätzend, wenn sich vor jeder Ampel die Leute nach Dir umdrehen!

Lt. den diversen Einträgen im Cagivaforum ist das wohl ein Problem bei fast allen Gran Canyon/Navigator-Modellen. Eine wirkliche Lösung scheint es dafür auch nicht zu geben.
Im Forum bin ich allerdings über 2 Erfolgsmeldungen gestossen. Hier hat die Verwendung von organischen Saito-Bremsbelägen (Louis Nr. 10044304) für Ruhe gesorgt.
Nun ja, bei einem Preis von 40€ für den Satz ist es einen Versuch wert. Der Vorbesitzer meiner Granny hatte übrigens Lucas SV-Beläge verbaut (Sinterbelag).

Seit gestern fahre ich jetzt tatsächlich quietschfrei. Und ja, auch mit den Saito-Belägen bremst die Granny. Die Lucas-Beläge waren allerdings giftiger. Ich bin aber auch erst 20 km gefahren.
Schauen wir mal.

Montag, 10. Juni 2013

Neues Lenkkopflager und Gabelöl

Schon bei meiner (kurzen) Probefahrt vor dem Kauf hatte ich bemerkt, dass das Lenkkopflager der Cagiva Gran Canyon hinüber war. Beim Bremsen war ein deutliches Knacken aus der Gegend des LK-Lagers zu spüren.
Da ich keine halben Sachen machen wollte, habe ich gar nicht erst versucht das LK-Lager nachzustellen. Wer weiß schon wie lange der Vorbesitzer schon mit diesem losen LK-Lager gefahren ist!?

Zunächts mal mußte ich das passende LK-Lager organisieren. Aus dem Cagivaforum erfuhr ich, dass Cagiva bei der Granny ein zölliges Lager verbaut hat. Diese kommt im Original von der Fa. TIMKEN (L44600LA). Ich hab dann versucht diese Lager im Einzelhandel zu beschaffen. Schließlich fand ich auch einen Händler, der diese Lager an Endverbraucher verkauft. Allerdings sollte der Satz rund 100€ kosten! Puh…

Nach weiterer Recherche (googeln) erfuhr ich, dass die Cagiva Elefant und diverse Husqvarna (gehörte ja mal zum Cagiva-Konzern) ebenfalls diese Lager L44600LA verwenden.
Über ein Husqvarnaforum bin ich dann auf einen Händler gekommen, der ein passendes LK-Lager aus China anbietet (Hersteller MBA). Da im Husqvarnaforum die Qualität dieser Lager durchaus als brauchbar eingestuft wird habe ich mir einen Satz bestellt. Das komplette LK-Lager kostete mich 28,90€ incl. Versand.

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Für den Ausbau der kompletten Gabel habe ich die Granny zunächst hinten mit den Montagständer aufgebockt. Anschließend wurden sämtliche Schrauben und Muttern der Gabel und des Vorderads gelöst und die Granny mit 2 Spanngurten an der Werkstattdecke soweit hochgezogen, dass das Vorderrad frei stand.
Nun habe ich das Vorderrad, Gabel und Gabelbrücke ausgebaut. Dann die erste unangenehme Überraschung. Die Lagerschale des obereren LK-Lagers lies sich ganz locker im Lagersitz drehen und konnte von Hand herausgezogen werden!
Nachdem ich die untere Lagerschale augeschlagen hatte, dann die nächste Überraschung: Die Lagerschalen waren nicht identisch! Oben war der Hersteller TIMKEN, unten ???! Offenbar hatte sich schon mal jemand am LK-Lager versucht und unten zumindest eine neue Lagerschale eingebaut. Wer macht sowas!?
Die Lager selbst waren beide vom TIMKEN.

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Das Eintreiben der neuen Lagerschalen war sehr einfach, da die Schalen m.E. recht locker sitzen (im Verleich zu meiner Ducati SS). Die Lagerschalen sauber aufsetzten und dann mit vorsichtigen Hammerschlägen die Schalen in den Lenkkopf eintreiben. Um die Lagerschalen bis in den Lagersitz zu bekommen bietet es sich an die ausgebauten alten Lagerschalen als Eintreiber zu verwenden. Damit ist auch sichergestellt, dass man die Lauffläche der Lagerschale nicht beschädigt.
Man hört es sehr gut am Schlaggeräusch, wenn die Lagerschale richtig sitzt.

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Um das untere Lager vom Steuerrohr der Gabelbrücke zu bekommen verwende ich mitterweile folgende Vorgehensweise:
1. Mit einem Dremel den Lagerkäfig auftrennen und Lagerkäfig und -rollen entfernen
2. Mit dem Dremel in den den Lagerkranz vorsichtig einen Schlitz flexen. Dabei darauf achten weder Steuerrohr noch Gabelbrücke zu beschädigen
3. Nun mit einem scharfen Meißel und einem kräftigem Hammerschlag in den Schlitz den Lagerkranz brechen
4. Anschließen kann der Lagerkranz ganz einfach vom Steuerrohr abgenommen werden

Man kann auf dem Bild sehr gut den aufgetrennten Lagerkranz sowie die Distanzscheibe erkennen.

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Beim Aufsetzten des Lagers auf das Steuerrohr empfiehlt es sich sich wie folgt zu arbeiten.
1. untere Gabelbrücke für 2 Std. ins Tiefkühlfach (-18 °C) legen
2. Das Lager im Backofen erwärmen (200 °C). Beim L44600LA muß man dabei mit der Temperatur etwas vorsichtig sein, da bei diesem Lager ein Gummidichtring integriert ist. Ich bin daher nur auf 150 °C gegangen.
3. Jetzt muss es schnell gehen. Das Lager auf das Steuerrohr aufsetzten. Durch den Temperaturunterschied (Ausdehnung) rutscht das Lager i.d.R. ganz von allein auf den Lagersitz. GGf. mit einen kräftigen Hammerschlag
nachhelfen (dabei ausschließlich auf den Lagerkranz schlagen und keinesfalls der Lagerkäfig beschädigen!)

Nach dem abkühlen die Lager gründlich mit Lagerfett einfetten. Anschließend wird dann die Gabelbrücke wieder montiert und das LK-Lager eingestellt. Ich arbeite dabei nach Gefühl. Zunächst das Lager fest anziehen damit sich die Lager setzen können. Anschließend das LK-Lager wieder lösen und die Mutter handfest anziehen. Nun gebe ich der Mutter noch einen kleinen Tick mit einem Hammer.

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Da die Gabel ja sowieso draußen war bot sich natürlich gleich ein Wechsel des Gabelöls an. Während die Gabelbrücke im Tiefkühlfach ‘frohr’ habe ich das Öl gewechselt. War auch durchaus nötig, wie man an der Brühe erkennen kann.
Füllmenge ist übrigens 680ml pro Holm (SAE 7,5).

Nach dem Zusammenbau der Granny erfolgte die Probefahrt. Schon nach wenigen Kilomtern war wieder ein leichtes Knacken beim Bremsen da.
Also zurück in die Werkstatt und tatsächlich hatte sich das LK-Lager noch etwas gesetzt. Die Einstellschraube des LK-Lagers war lose. Also nochmals das LK-Lager nachstellen.
Nach weiteren 250 km mußte ich das LK-Lager nochmals nachstellen (wieder Knacken beim starken Bremsen). Seit diesem Nachstellen ist jetzt aber Alles in Ordnung!